Kunstmagazin kontur 33

Dieter Kraemer ,, Käferzeiten"

Großformatige Bilder von Dieter Kraemer aus den Jahren von 1967 bis 1973, in denen der zu dieser Zeit allgegenwärtige VW Käfer sowohl die Hauptals die auch Nebenrolle spielt, sind bis zum 31. Juli in der Galerie Frye & Sohn in Münster zu sehen.
ALteburger Straße, 1972, Eitempera auf Leinwand, 140x120 cm Der Käfer ist für Dieter Kraemer ein wichtiges Symbol eines durch das Wirtschaftswunder bedingt aufkommenden Wohlstands der späten 6oer und frühen 7oer Jahre.

Nach den harten Nachkriegsjahren beginnt nun die Gestaltung der Freizeit eine Rolle zu spielen, diefurDieter Kraemer stark mit dem in dieser Zeit allgegenwärtigen VW Käfer verbunden ist, der nicht nur nützlich im Alltag war, sondern die Menschen auch an die Orte brachte, an denen sie ihre Freizeit verbringen konnten. Das Motiv des Käfers,das in den meisten Bildern von Dieter Kraemer kühn angeschnitten ist, spielt beispielsweise eine Rolle als Hintergrund für Badeszenen am Rheinufer, als Mittel zur Selbstinszenierung junger Damen, als beiläufiges Objekt im Hintergrund
oder in einem Fall alsVehikel für die von heiterer Vorfreude bestimmte Fahrt einer jungen Dame zu einem Rendezvous.
Die in der Ausstellung präsentierten Bilder sind wunderbare Zeitzeugen der spannenden 6oer und 7oerJahre. Sie zwinkern uns in ihrer von der subjektiven Wahrnehmung des Künstlers geprägten Schilderung der Wirklichkeit mit einer Portion Ironie zu.

Der 1937 in Hamburg geborene Dieter Kraemer ist einer der ersten deutschen Künstler, der in den 6oerJahren, in denen die abstrakte Kunst dominant gegenwärtig ist, mit gegenständlicher Malerei beginnt. Diesem Genre ist er bis heute konsequent treu geblieben.
Er ist einer der Mitbegründer einer Stilrichtung, die heute als Neuer oder Kritischer Realismus bekannt ist und die sich auf die Neue Sachlichkeit bezieht,jene kurze, nahezu vergessene Epoche Ende der 20er und Anfang der 30er Jahre, die mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten ihr Ehde findet.
Dieter Kraemer beginnt 1957 sein Studium an der Hochschule für bildende Künste ' in Hamburg und wechselt 1959 an die Hochschule für BiJdende Künste Berlin. Dort beendet er seine Studienjahre als Meisterschüler von Hann Trier. 1963 wird er an die Kölner Werkschule berufen und erhält 1973 eine Professur an der Fachhochschule Köln im Fachbereich Kunst.Von 1993 bis zoo3 wirkt er ebenfalls als Professor an der dortigen Kunsthochschule für Medien.

In der Ausstellung "Käferzeiten" lässt sich insbesonder & 'für die ' Ausstellungsbesucherinnen und -besucher, die schon mit Kraemers späteren, in altmeisterlicher Technikgemalten stillleben vertraut sind, gut nachvollziehen, wie er nach einer von sehr' experiment3&rfreudigen, farbenfrohen und von dekorativen Elementen durchwobenen Malerei zu seiner für ihn seit Beginn der 7oer Jahre charakteristischen Palette einer subtil zurückgenommenen Farbigkeit findet, die seine Malerei bis heute bestimmt und für die er weithin bekannt ist.
www.galerie-frye.de Wochenende, 1970. Eitempera auf Leinwand. 160x150 cm